Archiv für Mai 2006


Byron Bay

Samstag, 27. Mai 2006, 6:08. Tag 41 der Reise.

Gestern haben wir ja schon fix ein paar unterwegs geschriebene Eintraege reingestellt, hier nun nochmal live! Nach einigen Tagen Hinterland - toll abwechslungsreich, kommt vielleicht auf den Bildern rueber - sind wir wieder an der Kueste angelangt. Nicht mehr in den Bergen und auch etwas noerdlicher unterwegs wird es jetzt unbestreitbar waermer! :-) Hier kann man tagsueber ohne weiteres in kurzen Sachen herumlaufen. Und der Yaron, die alte Frostzippe, hat seit drei Naechten nicht mehr gefroren!

Unser Leben hier hat sich nun schon richtig eingependelt. Es ist (hab ich das vielleicht schon geschrieben?) als gaebe es kein anderes Leben. Immer der Nase nach. Ist es zu kalt oder langweilig, geht es weiter. Ist es schoen, bleibt man einen Tag, vielleicht zwei. Dann wird man von der Weite anzogen und muss weiterziehen. Nicht mehr lange und wir sind in Queensland, dem nordostlichen Bundesstaat.

Kurz waren wir dort auch schon. Mussten uns unbedingt Texas anschauen! :o) Ein kleines Dorf, im Hinterland ist alles so, wie man es sich vorstellt. Kilometerweit nix, nur ab und an ein Abzweig zu einer Farm. Total verschlafene Doerfchen mit Tankstelle und Lebensmittelladen und dann wieder ein paar Kilometer nix. Kommt das auf den Fotos rueber?

Hier jedenfalls ist man wieder voll in der Zivilisation. Nicht so hektisch wie Sydney, aber es gibt Cafes, Internet, mehrere Supermaerkte… Byron Bay ist von Sydney aus als Urlaubsziel sehr beliebt, aber jetzt im Spaetherbst ist hier angenehm viel/wenig los. Alles ganz entspannt ;-)

Nur die Wellen nicht immer, gestern hatten wir ganz schoen zu kaempfen! Man muss erst lernen zu erkennen, wo die guten, und wo die boesen Wellen sind. Gestern hatten wir die fiesen erwischt - ueber die eine druebergepaddelt, kam ganz frech eine von der Seite und schwupps war man wieder drunter. Macht aber unheimlich Spass!

Der Berndi hat ja sein Surfbrett und dabei schon echt gute Erfolge zu verzeichnen, aber selbst mit meinem kleinen 5$ Bodyboard kann ich mich ein paar Sekunden von den Wellen tragen lassen :-) Sieht lustig aus, wenn das Wasser vor einem einen Meter abfaellt und man immer oben auf ist :-)

Heute war es erst bewoelkt und wir haben uns fast entschlossen weiterzuziehen, aber nun scheint wieder richtig die Sonne, vielleicht muessen wir erstmal wieder an den Strand?!

Wir wuenschen Euch ein gute Zeit! Bis spaeter!

Yaron und der Berndi

Känguru am Grill

Montag, 22. Mai 2006, 20:26. Tag 36 der Reise.

Nachdem ich gestern nur darüber geschrieben habe, wäre es heute fast soweit gewesen. Nach einem „ach du Scheise“ von Yaron konnte ich nur noch in die Eisen treten und das Känguru ein wenig anstoßen. Es sprang aber weiter und war nicht mehr gesehen. Dafür sind jetzt ein paar Millimeter Gummi auf der Straße. Der Van hat zum Glück nichts abbekommen. Bei dem Känguru wissen wir von nichts. Na mal gucken, wie lang wir noch ohne Cowbar auskommen.

BERND und YARON

Surfträume

Sonntag, 21. Mai 2006, 15:38. Tag 35 der Reise.

Mittlerweile hat mich das Surffieber schon ein bisschen gepackt. Wie ich mir schon auf Bali gesagt habe, will ich in Australien surfen lernen. Ein -hoffentlich passendes- Board habe ich gleich mit dem Auto dazu gekauft und das liegt jetzt gleich neben meiner Betthälfte im Auto. Yaron hat sich erst mal ein preiswerteres Bodyboard (Es leben die Billigmärkte!) gekauft.
Auch wenn ich dem Wasser schon immer sehr zugeneigt war, so bin ich doch auch ne Frostbeule. Also habe ich mir einen wärmenden Neoprenanzug geleistet.
Bei den ersten Versuchen auf seinem Board stellte Yaron fest, dass er wohl auf ein richtiges Surfbrett umsteigt. Ich merkte, dass das ganze einfacher aussieht als es ist und doch ein paar Surfstunden angebracht sind.
Sobald wir wieder am Meer sind und es irgendwo günstig scheint, wie in Byron Bay, werden wir dort ein paar Tage bleiben und die Strände unsicher machen. In der Zwischenzeit schlafe ich nachts neben meinem Board und träume von tollen Wellen an Traumstränden.

BERND

WRONG WAY - GO BACK

Sonntag, 21. Mai 2006, 13:11. Tag 35 der Reise.

Wir sind nun schon seit Tag 26 nicht wieder online gewesen. Heute, Tag 35, sieht es nicht so aus, als ob wir in den naechsten zwei Tagen online gehen koennten. Aber da es einiges zu erzaehlen gibt, schreib ich das schonmal und stelle es spaeter online.

Heute sind wir mal wieder auf einem Campingplatz. Das bringt einige Vorteile mit sich:
1. Wir haben Strom! Haben zwar endlich einen 300W 12->240V Converter gekauft, aber der Laptop funktioniert damit nicht :( , obwohl dieser (ok nach dem Netzteil) nur 90W braucht. Und
2. Warme Duschen! An jedem zweiten Strand gibt es kalte Duschen, aber im Winter macht das keinen richtigen Spass, wenn auch zugegebenermassen nachmittags immer locker ueber 20°C sind. Doch die Campingplatzduschen sind immer wieder eine Wohltat :)

Nachdem wir uns tagelang an der Kueste entlang einen Strand nach dem anderen angeschaut haben - was anfangs toll und schoen war, dann aber doch immer das selbe - sind wir heute mal ins Land rein gefahren. Wir befinden uns jetzt etwas naeher an Brisbane (Hauptstadt von Queensland) als an Sydney (Hauptstadt von New South Wales) und ungefaehr 200km im Landesinneren. An der Kueste finden sich immer wieder kleine und kleinste Doefer und Staedte. Ein paar Kilometer rein ins Land werden die Orte noch viel kleiner und die Abstaende deutlich groesser. Dazwischen findet sich gruenes oder trockenes Land, manchmal ein paar Kuehe und heute auch ein Kaenguruh! New England (wo wir uns vermutlich gerade aufhalten) ist dabei sehr abwechslungsreich.

Schon in Sydney ist er uns aufgefallen und hier auf dem Land beeindruckt er uns jeden Tag: der Sternenhimmel! Es scheinen hier viel mehr Sterne am Himmel zu sein! Hab vorgestern gleich mal eine Langzeitaufnahme mit meiner Kamera gemacht und da sind doch tatsaechlich zwischen den vielen Sternen noch unglaublich viele die man gar nicht sieht! Zur Orientierung wuerde ich jetzt gerne ein/zwei Sternbilder hier kennen. Zu Hause schau ich mir immer den Grossen Wagen an, such mir danach den Polarstern und schau, ob der auch brav im Norden steht. Und hier? Sonne weg - kein Plan von Himmelsrichtungen. Naja wenn ich nur lang genug hinschau faellt mir vielleicht auch eine Regelmaessigkeit auf ;)

Die Sonne geht auffallend frueh und schnell unter. Bis um sechs ist es noch hell. Kurz danach wird es dunkler und halb sieben haben die Sterne die Sonne schon lange besiegt. Wenn dann kein Mond scheint ist es richtig richtig dunkel. Nix mit stundenlanger Daemmerung wie in Deutschland. Darum sind wir meist um fuenf schon an unserer jeweiligen Schlafstelle. Dann gibt’s Essen, manchmal eine Party Backgammon (bis jetzt 4:0 fuer Bernd - bin ich ein guter Lehrer!) und ein Bierchen. Danach les ich meist am ersten Harry Potter, englisch. Bei Kinderbuechern versteh ich wenigstens fast alles :)

In den letzten Tagen haben wir immer wieder unseren Bus gepimpt. Auf einen Namen konnten wir uns immer noch nicht einigen, aber dafuer haben wir alles geoelt, was sich bewegt, haben einen Kompass, Dosenhalter und kompatible Thermotassen, kleine Weitwinkelspiegel und eine Lampe mit Magnet zum ueberall ranpappen. Im Bus ist es jetzt schon richtig heimelig. Er hat massig Stauraum unter dem Bett, da ist tatsaechlich immernoch etwas frei, obwohl wir jeden zweiten Tag etwas neues kaufen. Ich glaube wenn wir mit etwas Plan einkaufen wuerden - wir koennten mit unserem Bus locker zwei Wochen ohne Zivilisation leben. Genuegend Diesel vorausgesetzt. Bernd hat gestern noch einen Aufkleber fuer die Heckscheibe entworfen - die Bildergalerie zeigt mehr.
Mit dem Fahren wechseln wir uns ab: einen Tag Bernd, den naechsten ich. Der Beifahrer liest Karte. Das funktioniert sehr gut. So wissen wir beide, wo wir sind, und es darf aber auch jeder mal auf der falschen Strassenseite fahren. Letzteres ist auch ueberhaupt kein Problem, nach paar Minuten hat man das schon sehr gut raus.

Lustig sind die Strassenschilder! Es gibt nur wenige mit Bildern - Strasseneinmuendung, Vorsicht Kaenguruh, … - die meisten dagegen sind beschriftet. Mein Favorit ist die Sperrscheibe (entgegen der Einbahnstrasse): “WRONG WAY - GO BACK”. Das sorgt wenigstens fuer Klarheit! ;-) Die Klarheit fehlt wiederum bei den Parkschildern. Mussten im Internet nachschauen, wie die zu interpretieren sind.

Die Ozzies (nicht zu verwechseln mit den Ossies) sind ein recht entspanntes Voelkchen. Da, wo etwas weniger los ist, gruesst man jeden, dem man begegnet und dabei faellt auch immer wieder ein “How are you?” (Wie geht’s?). Doch Hilfe! Was darauf antworten? Ist die Frage wirklich ernst gemeint? Ist die tuechtige Kassiererin bei Woolworth jetzt tatsaechlich an meinem koerperlichen und geistigen Befinden interessiert? Bis jetzt haben wir die Frage einfach ueberhoert und nur zurueckgegruesst. Doch den Plan, wie wir die korrekte Beantwortung der Frage herausbekommen, haben wir schon. Wir drehen den Spiess um: ab morgen gruessen wir jeden mit “How are you?”. :o)

Unser Van

Sonntag, 21. Mai 2006, 11:46. Tag 35 der Reise.

In den letzten drei Wochen sind wir mit unserem in Sydney erstandenen Van schon über 2000 Kilometer gefahren und haben ihn in dieser Zeit auch ein bisschen gepimpt. Die wichtigsten Dinge, wie Lenkrad, Motor, Frontscheibe aber auch Matratze und Campingsachen waren alle schon vorhanden. Aber doch haben uns ein paar Annehmlichkeiten gefehlt, damit uns der Van für die nächsten Wochen ein schönes zu hause wird.
Dank zahlreicher Billigläden, die es in jeder Stadt gibt, haben wir jetzt unter anderem einen Kompass (der leider nicht immer funktioniert), einen Dosenhalter (sowohl für Coladosen als auch für den Morgenkaffee) und ein paar zusätzliche Lichtquellen (für dunkle Nächte auf entlegenen Parkplätzen).
Mit ein paar Tropfen Öl hat es Yaron dann noch geschafft, dass die Fenster beim runterleiern nicht mehr quietschen und die Seitentuer fast von allein ins Schloss fällt. Den Öldurst des Motors konnten wir leider noch nicht besänftigen.
Von Außen sieht der Wagen noch aus wieder jeder andere Mazda E2200, bis auf einen kleinen Aufkleber an der Heckschreibe der auf www.240days.de verweißt. Vielleicht bekommen wir das auch noch für die Seitenflächen eine Nummer größer hin.
Das Fahren auf der falschen, also linken Seite klappt eigentlich Problemlos. In den ersten Tagen kam es ein paar Mal vor, dass ich den Scheibenwischer beim Abbiegen betätigte (die Hebel für Blinker und Schreibenwischer sind vertauscht), aber auch das ist vorbei. Da hier noch ein wenig Verkehr auf den Strassen ist, braucht man keine Angst zu haben auf der rechten Seite zu fahren, vielmehr frage ich mich langsam auf welcher Seite man in Deutschland fährt. Alles Gewöhnungsache!
Mittlerweile haben wir auch unseren eigene Radiosender- 240days FM. Mit Hilfe eines kleinen Senders (der hier vollkommen legal ist), der mit dem MP3-Spieler verbunden ist, kann jetzt jeder im Umkreis von 10 Metern um den Bus unsere Musik auf 88,7 MHz empfangen. Manchmal machen wir aber auch das Radio aus und genießen die Landschaft, die an uns vorbei zieht. Teilweise ändert sich die Lanschaft aller 20 Kilometer vollkommen - beeindruckend.

BERND und YARON

Unbekannte Tiere

Sonntag, 21. Mai 2006, 11:31. Tag 35 der Reise.

Vielleicht hätte ich das Buch über die australische Tierwelt, welches bei meinen Eltern im Bücherregal liegt, noch einmal vor der Reise anschauen sollen (das hatte ich vor Jahren das letzte mal richtig durchgeblättert) oder doch die dämliche Kindertiersendung mit dem noch dämlicheren Moderator auf „RTL irgendwas“ gucken sollen. Auf jeden Fall bin ich jetzt mit Yaron auf ner großen Insel namens Australien, mit einer ganzen Menge von bekannten und noch mehr mir unbekannten Tierarten.
Das erste richtig große Känguru, welches übrigens schwarz war, haben wir heute während der Fahrt ein paar hundert Meter vor uns entdeckt. Natürlich wollte ich es gleich fotografieren. Also hieß es anhalten, Kamera nehmen und links auf eine kleine Böschung steigen. Keine fünf Meter von mir entfernt guckte es mich ganz doof an und war schon wieder über die Straße in einen kleinen Wald geflüchtet, wo ich es nur noch von größerer Entfernung aus fotografieren konnte. Nunja immerhin hatten wir Glück und es ist und nicht vors Auto gesprungen, was für beide Parteien nicht gut ausgegangen wäre. Leider haben wir keine Cowbar, die unseren Van vor größeren Schäden schützen könnte. Ein paar Kilometer weiter lag dann auch ein Kadaver im Straßenrand.
In den Blue Mountains hatten wir schon kleine Kängurus gesehen, so genannte Wallerroos. Nicht viel größer als ein Karnickel sprangen sie dort in den Wäldern um Jenola Caves herum und außer auf dem Weg dorthin, als eines neben dem Auto auftauchte und genauso schnell wieder verschwand, haben wir sie auch immer nur im Wald hüpfen gehört.
In der Gegend sind wir auch das erste Mal auf eine uns unbekannte Art gestoßen. Auch etwa karnickelgroße Tiere mit grauem Fell und schwarzem buschigen Schwanz, die sich vor allem in den Bäumen aufhalten. Uns gegenüber waren sie meist ganz zutraulich, aber untereinander haben wir sie schon Fauchen, aber sich auch gegenseitig jagen gesehen. Wie ich mittlerweile herausbekommen habe, sind es anscheinen Possums, die es hier fast überall hier gibt.
Koalas sind so eine Sache für sich. Wir haben mittlerweile die Behauptung aufgestellt, dass diese Spezies nur ein Werbegag ist oder, dass es nur noch welche in Zoos gibt. Trotz größter Anstrengung haben wir noch keins zu Gesicht bekommen. In vielen Gegenden steht aller ein bis zwei Kilometer ein Warnschild, oder ein Hinweis wen man anrufen soll, falls es zu einem Unfall mit den Tieren kommt. Wir glauben kaum noch dran einen Koala zu sehen. Auf der Suche in einem laut Reiseführer berühmten Koalagebiet, sind wir auf ganz was anderes gestoßen.
Ein Prachtexemplar von einer Spinne. Das Netz versperrte einen Waldweg und war ungelogen mindestens zwei Meter im Durchmesser groß. In der Mitte wartete die Handtellergrosse Spinne. Bis dahin wusste ich nicht, dass mir von so was leicht mulmig in der Magengegend werden kann! Wir haben dann gleich kehrt gemacht und haben die Koalasuche für den Tag abgebrochen. Von Ihren anderen giftigen Artgenossen wie Redbacks oder so, haben wir zum Glück auch noch nix mitbekommen.
Kommen wir zu angenehmeren Dingen, der Vögellei. Jeder Hobbyornitologe würde sich hier in Australien freuen. Von den bereits früher erwähnten laut schreienden Kakadus, riesigen Pelikanen oder kunterbunten anderen Vögeln ist alles dabei was das Herz begehrt. Einige Tiere wie Truthahn oder Möwe hat man schon mal selbst gesehen, gehört oder davon gelesen. Andere sind uns total unbekannt, deswegen haben wir teilweise selbst Namen gefunden. Nehmen wir doch mal den „Modemvogel“: Ein etwa Rabenschwarzer und –großer Vogel mit weißen Flecken. Sobald der den Schnabel aufmacht, hört man Geräusche, als wenn man sich mit einem alten Modem ins Internet einwählt. Wenn man das erste Mal von diesem Geräusch hier geweckt wird, schaut man sich nur noch komisch an!
Ein Haustier hatten wir auch schon, einen schwarzen Labrador. Auf einem Parkplatz in Port Stephens mussten wir abends unbedingt mit dem Hund spielen. Ein Herrschen war nicht auszumachen und zum Frühstücken sind wir am nächsten morgen auch fast nicht gekommen, da wir immer Stöckchen werfen mussten. Ebenfalls in Port Stephens haben wir eher rein zufällig auch Delphine gesehen.
Neben vielen Kühen, Schaffen und Pferden am Straßenrand, gibt’s auch noch von Mücken und ein paar Ameisen zu berichten. Die gibt’s in der Art, wie wir sie bis jetzt gesehen haben aber auch in Deutschland.
In Mitten von unbekannten Tieren grüßen

BERND und YARON

Und Ihr wisst ja wie das ist: Es ist, das Geld kommt aus der Wand. (Kettcar)